Der deutsche Film - womöglich doch gut?

Neuigkeiten und Diskussionen zu Filmen aus Europa.
Antworten
Benutzeravatar
Bewitched240
Beiträge: 13931
Registriert: Di 29. Mai 2012, 00:15

Re: Der deutsche Film - womöglich doch gut?

Beitrag von Bewitched240 » Fr 17. Sep 2021, 00:40

Haha! Die Folge sah ich sogar vor einiger Zeit, weil ich selbst schon in Kapstadt war. Alter Falter! Was ein Schmierenstück, aber einen gewissen Unterhaltungswert hatte das. :lol:

Benutzeravatar
Frau Stockl
Beiträge: 9359
Registriert: Di 25. Sep 2012, 09:44
Wohnort: Burg Stargard

Re: Der deutsche Film - womöglich doch gut?

Beitrag von Frau Stockl » Fr 17. Sep 2021, 00:47

Also ich hatte (im April) noch zwei oder drei mehr von vor, eine neue (Seychellen) und zwei alte (Thailand und Bali von '86), aber dann erstmal sein gelassen.
"Da schlägt man morgens die Zeitung auf und dann sowas... Pandemie? Welche Pandemie? Seit wann?"
~ Zagarino Frank

Benutzeravatar
Frau Stockl
Beiträge: 9359
Registriert: Di 25. Sep 2012, 09:44
Wohnort: Burg Stargard

Re: Der deutsche Film - womöglich doch gut?

Beitrag von Frau Stockl » Di 21. Sep 2021, 12:43

Einer spinnt immer (1971)
Einer-spinnt-immer-Hartbox.jpg
Master Baker Hugo Haase cannot believe that he is the lucky one who inherited a good fortune. Finally he has the possibility to escape from his little province town and his imperious wife to succeed to his estate in Vienna. But naive Hugo is lost in this big city and soon be taken in by a trickster.

Thomalla ist hier selbständig, eigener Unternehmer bzw. Handwerker mit eigenem Betrieb, er bringt buchstäblich die Brötchen nach Hause und muss entsprechend für Ordnung sorgen, weil sonst die Nahrung ausbleibt; nicht nur für die Bewohner des Dorfes, in dem er wohnt, sondern was auch für die eigene Familie gilt. Das Dorf (Neuhofen in der Pfalz, Verbandsgemeinde Rheinauen) ist in der Zeit stehengeblieben, so scheint es, optisch vor allem, inklusive nicht nur der Außengestaltung, die wie 50er Jahre aussieht, sondern auch das Innendekor, was sicherlich aus der Ära zwei Jahrzehnte früher und nun schon am Verblassen und verwelken ist. Nostalgiefreunde und Heimatfreunde befinden sich demnach von Beginn an schon zu Hause, gibt es nicht nur vertraute Gesichter (Ralf Wolter, Jacques Herlin, Gunther Philipp, Herbert Fux, Uwe Friedrichsen, Franz Muxeneder etc.) und deren bekannte Geschichten, sondern auch eine Umgebung, die wie konserviert ist und den Zurückgebliebenen und sich da vor allem auch wohlfühlenden zum Verweilen einlädt. Lange hält die Ruhe leider nicht an, kommt die erste Schreckensmeldung auch schon früh am Tage, selbst hier in dieser Einöde zieht der leidige Fortschritt und die lästige Schnell- und Billigindustrie ein; mal keine Verwechslungsplotte, die generiert wird, sondern der Kampf des kleinen Mannes gegen den Kommerz da draußen, wobei Thomalla hier natürlich seine Verstärkung durch den Zuschauer auf seiner Seite hat und die emotionale Stabilisierung wie eine Mauer steht.

Den Kampf gegen die Billigindustrie oder doch die Billa-Industrie, wie sie hier heißt, bekommt man mit tatkräftiger Unterstützung (und ordentlich Lausbubenstreichen) also irgendwo noch gestemmt, schwieriger sieht es da schon bei den Verlockungen der holden Damenwelt bei dem Kurztrip nach Wien aus, wird nach der Ankunft aus dem verschlafenen Rheinland-Pfalz und dessen Provinznest und Kuhbläke hinaus in die österreichische Hauptstadt doch ein neues Spiel gespielt und die Handlung (weiterhin erstaunlich sorgfältig und zurückhaltend) erweitert und mit neuen dramaturgischen Amüsements und ebensolchen Stolperfallen und dafür dann auch die Tordai Teri engagiert und fleißig Aufnahmen von jungen Damenbeinen in Hot Pants und Minirock sowie halbnackte Nackedeis auf diversen Zeitschriftenbildern von der "Neuen Revue" bis über die "Jasmin" und selbst auf dem "Stern" integriert. In Wien und später erst recht in Venedig (!) ist sowieso die Welt und die Moderne zu Hause, werden Postkartenaufnahmen en masse für die heim Gebliebenen Möchtegern-Touristen und selbst ein Cameo des Paares Kilius / Bäumler aus Antels Die große Kür (1964) und Das große Glück (1967) abgeliefert und Ewig lockt das Weib, mit Thomalla als a) Gentleman der alten Schule eigentlich und b) auch alten weißen und kleinwüchsigen cis-Mann gespielt.

Nicht kleckern, sondern klotzen heißt es hier, lässt sich die Produktion ebenso etwas springen wie auch der (zu) hilfsbereite und leider auch (zu naive) Mann hier das liebe Geld gleich scheinchenweise und in vollen Händen ausgibt und so das pralle Leben in vollen Zügen genießt. Schlecht nur, dass die Frauenrolle seiner Begleiterin hier, der "Mistbiene" höchst unsympathisch bis gleich negativ gehalten ist, so richtig Freude will da nicht aufkommen, eher Mitleid und ein bisschen werden auch die alten Klischees aus der Mottenkiste und die Ressentiments mit geschürt.
I
"Da schlägt man morgens die Zeitung auf und dann sowas... Pandemie? Welche Pandemie? Seit wann?"
~ Zagarino Frank

Antworten
  • Vergleichbare Themen
    Antworten
    Zugriffe
    Letzter Beitrag