Jörg Buttgereit

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Thorsten Hanisch
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Beitrag von Thorsten Hanisch » Fr 29. Jun 2012, 10:22

Julio Sacchi hat geschrieben:Butti unter "Amateure" wegzukategorisieren, halte ich auch für ausgesprochen gewagt.
Jaaaa, ich hatte schon beim Schreiben ein schlechtes Gewissen...

Nur als Anfang der 90er-Jahre die Amateurfilmwelle ins Rollen kam, wurde Butti halt irgendwo auch oft in diesem Kontext genannt (in Texten)/präsentiert (auf Mailorderflyern) und schlußendlich schreibt er ja heute auch für einen der Macher & Förderder of German Splatter schlechthin. Das bei Buttgereitfilmen natürlich keiner von diesen üblichen Hypernerds hinter der Kamera standen, war beim Ansehen schnell klar, deswegen fand ich's ja auch besser.

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Beitrag von Nahaufnahme » Fr 29. Jun 2012, 10:44

Julio Sacchi hat geschrieben:Wenn Du MACHETE für einen gut gemachten B-Film hältst, wage ich zu unterstellen, daß Du lange keinen gut gemachten B-Film mehr gesehen hast. Von denen gibt's seit einigen Jahren im DVD-Sektor ja etliche.
Ja, was Du darunter verstehst kann ich doch bei verschiedenen Filmen nachlesen. Ist bloß nicht meine Meinung. Hier herrscht zu einigen Filmen und Regisseuren eine meinungs- bzw. geschmacksdiktatorische Grundhaltung, die ich nicht teilen will und davon wird mich keiner abbringen. :D Für mich ist MACHETE jedenfalls richtiger/guter Trash im Unterschied zu gewolltem Trash, der nur gewollt ist, weil die Macher gar nicht anders können. Wir definieren Trash unterschiedlich.
Julio Sacchi hat geschrieben: Butti hat übrigens seine Filme nie als "Trash" begriffen und die Rezeption im Ausland war auch immer eine andere.
Wessen Selbstwahrnehmung ist denn objektiv? Die Rezeption der Arbeiten mancher US-Regisseure ist in Deutschland auch anders als in deren Heimat. Sieht man ja im Forum, so gleicht sich doch alles aus. :)
Thorsten Hanisch hat geschrieben: Nur als Anfang der 90er-Jahre die Amateurfilmwelle ins Rollen kam, wurde Butti halt irgendwo auch oft in diesem Kontext genannt
Das ist wohl auch die Zeit, in der ich drei, vier seiner Videos gesehen habe, eher Mitte der 90er in einem Kommunalkino, war noch Bremen und nicht Berlin. :D
Julio Sacchi hat geschrieben: Natürlich sind die - wenigen - Filme, die er gemacht hat, handwerklich, nun ja, ungenügend (...)
Das kann man auch, ganz ohne Wagnis und unaufgeplustert, als unprofessionell oder amateurhaft bezeichnen, egal ob das Nerds sind oder BWL- und Jurastudenten, die ihr Zweitstudium in Ludwigsburg oder ein Praktikum in Babelsberg absolvieren...

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Thorsten Hanisch
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Beitrag von Thorsten Hanisch » Fr 29. Jun 2012, 11:05

Nahaufnahme hat geschrieben:Für mich ist MACHETE jedenfalls richtiger/guter Trash im Unterschied zu gewolltem Trash, der nur gewollt ist, weil die Macher gar nicht anders können.
Mal abgesehen von meiner persönlichen Abneigung gegenüber dem Wort "Trash": Im Umkehrschluss heißt dass dann, dass MACHETE ungewollter Trash ist, weil die Macher es eigentlich besser können eventuell sogar besser vorhatten?

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Beitrag von Nahaufnahme » Fr 29. Jun 2012, 11:26

Thorsten Hanisch hat geschrieben:
Nahaufnahme hat geschrieben:Für mich ist MACHETE jedenfalls richtiger/guter Trash im Unterschied zu gewolltem Trash, der nur gewollt ist, weil die Macher gar nicht anders können.
Mal abgesehen von meiner persönlichen Abneigung gegenüber dem Wort "Trash": Im Umkehrschluss heißt dass dann, dass MACHETE ungewollter Trash ist, weil die Macher es eigentlich besser können eventuell sogar besser vorhatten?
Nein, es ist richtig guter Trash, Edel de Luxe, ist doch bei MACHETE klar, der hat schließlich fast keine Unvollkommenheiten, aber die sind künstlerisch beabsichtigt! :idea: Der Unterschied zu gutem Trash ist schlechter Trash, der kann gewollt (bei denen, die keine anderen Möglichkeiten haben) oder ungewollt (unbeabsichtigt lächerliche Dialoge, unterdurchschnittliches Handwerk etc., die das Ergebnis in eine andere Richtung drängen) sein. Guter Trash ist dagegen nie ungewollt, sondern immer gewollt. Wird allerdings nicht von allen erkannt, aber wie beschrieben, man muss seine eigenen Koordinaten finden und sich vielleicht vom Film Geek-Mainstream emanzipieren. :o

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Julio Sacchi
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Beitrag von Julio Sacchi » Fr 29. Jun 2012, 11:34

Mir ist diese Definition komplett neu und ich fühle mich auch nicht automatisch blöder oder mainstreamiger, wenn ich sie für mich nicht akzeptieren möchte.

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Beitrag von Thorsten Hanisch » Fr 29. Jun 2012, 11:44

@Nahaufnahme:

Ich versteh Dich gar nicht.

Gerade gewollter "Trash" ist doch der ödeste überhaupt - egal ob die Macher es nicht besser können oder eben doch?

Für mich jedenfalls sind Filme "Trash" bei denen die Macher in erster Linie einen guten Film drehen wollte, aber das aus eigenen, nicht gemerkten Unvermögen nicht klappt oder man über seine eigene dicke Hose stolpert.

Das kann Big Budget-Kino wie z.B. THE HAPPENING sein oder auch irgendn C-Filmchen.

Ich werd nie die Premiere von MIDNIGHT'S CALLING vergessen, bei denen einiger der Macher & der entsprechende Nerdanhang im Saal saßen und total erbost waren, weil zwei Kumpel et moi und zwei junge Mädels hinter uns sich vor Lachen regelrecht eingenässt hatten.

Da war die Hose dermassen eng, dass die nicht gemerkt hatten, was schief läuft.

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Beitrag von Nahaufnahme » Fr 29. Jun 2012, 12:06

Thorsten Hanisch hat geschrieben: Gerade gewollter "Trash" ist doch der ödeste überhaupt
Ich fand aber z.B. ROCKY HORROR PICTURE SHOW und POLYESTER leider geil und wenn Du denkst, das war kein gewollter und gut gemachter Trash, dann lebt einer von uns im Paralleluniversum und ich bin garantiert nicht dort, wo bei CRONICLES OF RIDDICK (ACHTUNG: kein Trash, ich weiß) der Daumen hochgeht. :twisted:

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Beitrag von Julio Sacchi » Fr 29. Jun 2012, 12:07

CHRONICLES OF RIDDICK? Der ist Trash. Hochglanztrash.

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Beitrag von Munin » Fr 29. Jun 2012, 12:08

Ich finde ja, die Absicht hinter einem Film lässt überhaupt keine Schlüsse auf dessen Qualität zu. Dass gewollter Trash augenzwinkernd und clever sein kann, zeigt BLACK DYNAMITE. Dass er hohl und kalkuliert sein kann, zeigt MACHETE oder HOBO WITH A SHOTGUN.

All diese Filme wären immer noch genau so gut bzw. schlecht, auch wenn sie mit anderer Motivation gedreht worden wären. Das Problem der Möchtegern-Grindhousetitel wie MACHETE sehe ich vor allem darin, dass nicht verstanden wird, warum die "echten" Trash-Filme von damals so eine Faszination ausstrahlten. Es geht eben nicht nur um dümmliche Gewalt und möglichst schlechte Effekte.

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Beitrag von Julio Sacchi » Fr 29. Jun 2012, 12:09

Genau.

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